So habe ich den Scrum Master I im Eigenstudium bestanden

Heute habe ich offiziell meinen Scrum Master (I) Zertifikat bestanden. 80 Fragen in einer Stunde. 85% werden zum Bestehen gebraucht, ich habe mit 98,8% bestanden. Heute möchte ich beschreiben, wie ich mich auf den Test vorbereitet habe, ohne eine teure Schulung zu besuchen. 

Vorbereitung auf den Test

1) Offiziellen Scrum Guide lesen & zusammenfassen

Ich habe mir den kompletten englischen Scrum Guide in eine Word-Datei kopiert und die Sätze gekürzt. Meine Zusammenfassung hat etwa 8 Seiten. Durch das Zusammenfassen & Kürzen habe ich automatisch jeden Satz sehr bewusst gelesen und konnte Doppelungen streichen. Zusätzlich habe ich mir ein kleines Wörterbuch erstellt. Lest auf jeden Fall das Original, da auch der Test nur auf Englisch verfügbar ist. Den deutschen Scrumguide hatte ich beim Lesen parallel offen, um die Sätze besser interpretieren zu können.

2) Üben: Scrum Open & Product Owner Open

Übt die Open Assessments (Scrum Open), um ein Gefühl für die Fragen zu bekommen. Es sind 30 leichte Beispielfragen, die ein wenig variieren (vielleicht 50 unterschiedliche). Ein paar davon werden euch auch bei der richtigen Prüfung begegnen. Die Fragen vom Product Owner Open ebenfalls üben, da diese eher dem Schwierigkeitsgrad der Prüfung entsprechen. Ich habe mir die Fragen angeschaut, die ich falsch beantwortet habe oder mir unsicher war. Die Antworten darf man nicht stur auswendig lernen, sondern muss verstehen: Wieso war die Antwort falsch und die andere richtig?

Anzahl meiner Tests: Vielleicht 15x Scrum Master Open und 3x Product Owner. Da sich die Fragen wiederholen, brauchte ich zum Beantworten irgendwann nur noch 5-6 Minuten.

3) Besorgt weitere Verständnisfragen

Anfangs habe ich ein paar der Scrum-Open-Fragen gegoogelt und bin so auf ein paar PDFs & eine Excel-Liste aus irgendwelchen Schulungen gestoßen.

Letztlich habe ich dann mlapshin.com und mplaza.training genutzt. Letzteres kostet 27$, war aber sein Geld definitiv wert (billiger als nochmal 150$ für den Test). Viele der Fragen erscheinen ähnlich im richtigen Test. Man konnte Fragen markieren, bei denen man unsicher war. Beim Üben habe ich mir die falschen & die markierten Antworten angeschaut und die Erklärungen gelesen (man darf sich, wie gesagt, nicht auf sein Rateglück verlassen, sondern muss auch wissen, wieso man mit der geratenen Antwort richtig lag). Weiterer Anbieter: volkerdon.com(17$)

Anzahl Tests: Ca. 10x. So lange, bis ich 3x hintereinander 100% hatte.

4) Übersichtsbild / „Cheat Sheet“ mit den wichtigsten Eckpunkten erstellen

Ich muss mir nicht aufschreiben, dass das Sprint Planning 8h dauert. Allerdings habe ich mir zum Verständnis aufgezeichnet, welchen Output ein Event hat, welche Person an welchen Event teilnehmen darf und wer Einfluss auf welches Artefakt hat.

 5) Was nicht im Scrum-Guide steht

Eine weitere Zusammenfassung habe ich von folgendem geschrieben:

4 agile Werte, 12 agile Prinzipien, Nexus Guide überflogen und ein paar spezielle Wörter gegoogelt, weil im Scrum-Test auch ein paar Fragen dran kommen, die so nicht im Scrum Guide stehen:

Technical Debt, Cone of uncertainty, Burndown-Chart, Planning Poker, User Stories, Release Plan

6) Im Test die Fragen notieren, bei denen man sich unsicher ist

Man konnte im Test leider keine Fragen markieren, bei denen man unsicher war. Stattdessen musste man sich die Nummern selbst aufschreiben. Ich habe etwa 35min für die 80 Fragen gebraucht, sodass ich noch 25 Minuten Zeit hatte, mir die Wackel-Fragen anzuschauen. Habe mir rund 25 Fragen noch mal angeschaut. Theoretisch reicht es, um ein paar Fragen in google nachzuschlagen. Aber man sollte nicht zu viel Hoffnung haben, dass man die Antwort direkt präsentiert bekommt (man landet in irgendwelchen Diskussionsforen).

An die wichtigsten Prinzipien halten

 Wer welche Rechte hat, das muss „sitzen“:

  • Nur der PO ändert den Product Backlog & bestimmt, was releast / der Sprint abgebrochen wird.
  • Nur das Dev. Team ändert den Sprint Backlog & ggf. DoD, der Scrum Master unterstützt bei der Scrum-Implementierung.
  • Der Scrum-Master beseitigt Hindernisse (impediments) und und ist Wegbereiter (faciliate). Aber er übernimmt NIE, NIE aktive Arbeit. Er sagt nie jemanden, was er zu machen, er führt keine Diskussionen oder übernimmt gar die Pflege einer Liste.
  • Das Development-Team muss selbstständig agieren. Auch wenn es um Hilfe von außen bittet: Gibt’s nicht: Nicht mehr Leute, keine Experten, die ihnen Arbeit abnehmen. Es ist für alles verantwortlich und muss sich das Wissen notfalls aneignen, um eine eigenständige Einheit zu bleiben.
  • Es gibt keine Team Leader und die PMOs (falls vorhanden) werden nicht als Eskalationsstufe genutzt. Auch der Kunde hat nichts zu melden.
  • Es gibt kein Sprint Zero, Integration, Hardening oder Release Sprint.
  • Was nicht verboten ist, ist erlaubt: Mehrere Teams am gleichen Product dürfen unterschiedliche DoDs haben, Scrum Master und PO dürfen die gleiche Person sein
  • Sprints finden immer statt, außer der PO cancelt aus wichtigen Gründen. Aber egal wie katastrophal das Product Backlog aussieht oder wie uneinig man sich beim Sprint Planning ist: Lieber ’n Scheiß Sprint aus dem man lernen kann als das Problem zu verschieben. Alles wird im Laufe des Zyklus entwickelt, nichts muss direkt perfekt sein. Dafür hat man ja Scrum.
  • Darauf achten, ob nach „Value“ oder „Pillar“ gefragt wird.

Viele Antworten lassen sich dadurch leicht ausschließen

Ich habe den Test am PC gemacht und hatte parallel mein Laptop offen, um bei Bedarf schneller nachschlagen (google translate) zu können.

Welche Frage hatte ich falsch?

Leider bekommt man die falschen Antworten nicht gezeigt, aber immerhin 14 Kategorien und die prozentuale Erfüllung erläutert. Bei mir gab es einen Fehler bei „Roles“. Mir fällt nur eine Frage ein, bei der ich gezögert habe.

Eine Frage lautete:
„Which roles do exist in Scrum?“

Zur Auswahl stand u.a. „Development team member“, obwohl im Scrum Guide nur das „Development team“ als Rolle erwähnt wird. Ich hielt das deswegen für eine Fang-Frage und habe es nicht angekreuzt. Aber so spitzfindig wie unterstellt war der Test vermutlich doch nicht.

Fazit

Durch die Vorbereitung konnte ich etwa 40/50 der 80 Fragen leicht beantworten. Die restlichen Fragen waren situative Fragen, bei denen man sich auf die Prinzipien von Scrum rückbesinnen musste. Für die Vorbereitung habe ich etwa 2 Wochenenden und vielleicht ein paar Abende benötigt. Der Scrum Master I ist der leichteste Test der Scrum-Familie und als nächstes strebe ich den Product Owner I an.

Wie habt ihr für den Scrum Master gelernt oder wie habt ihr es vor?

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